Franzosenkreuz

 In Wegkreuz / Flurkreuz

Franzosenkreuz

Kategorie: Wegkreuz / Flurkreuz
Baujahr: 1999
Ort: 8933 St. Gallen
Beschreibung:

Das Ende November 1999 wiedererrichtete „Franzosenkreuz“ am alten Spitzenbergweg.
Das Bild malte Franz Weißensteiner, vulgo Jaglbauer.
Die Gegend um St. Gallen und Altenmarkt hatte durch die französischen Kriegszüge Anfang des 19. Jahrhunderts viel zu leiden. Besonders Altenmarkt, weil an der Durchzugsstraße gelegen, hatte viele Einquartierungen, Abgaben von Lebensmitteln und Plünderungen zu ertragen. Dadurch litt die Bevölkerung oft selbst bittere Not.
Am 9. November 1809 sollte auch eine große Abteilung französischer Soldaten mit Artillerie nach St. Gallen kommen. Zu dieser Zeit war bereits strenger Winter und die damalige alte, steile Spitzenbergstraße so vereist, dass die schweren Geschütze nicht über den Berg gebracht werden konnten.
Die Franzosen hatten von Bauern Ochsen als Vorspann requiriert, auch Männer, die gerade von der Kirche aus St. Gallen kamen, mussten in die Radspeichen greifen und anschieben. Unter diesen war auch mein Urgroßvater, dem ein Franzose seine neuen Schuhe auszog und ihm dafür seine zerrissenen Stiefel gab. Aber alles war umsonst, trotz Anstrengung und Soldatenfluch kamen die Geschütze nicht vorwärts.

Der Kommandant ordnete an, wenn die Geschütze bis 12 Uhr mittags nicht über den Berg sind, wird das Vordringen aufgegeben.
Die Bevölkerung von St. Gallen war indessen in großer Aufregung, versammelte sich in der Pfarrkirche und betete um Abwehr der Franzosengefahr. Da läutete auf einmal um 11 Uhr vom Kirchturm in St. Gallen, ohne dass Hand angelegt wurde, also von Gotteshand gezogen, die Glocke. Sonst wurde ja immer um 12 Uhr Mittag geläutet.
Als die Franzosen dies hörten, fragten sie, was das zu bedeuten hat. Die Leute, welche anschieben halfen, glaubten selbst, es sei schon Mittag und sagten, das sei das Mittagläuten um 12 Uhr. Darauf kehrten die Franzosen um.
Aus Dankbarkeit war es daher in St. Gallen bis zum Zweiten Weltkrieg üblich, um 11 Uhr Mittag zu läuten. Zur Erinnerung an dieses Geschehen wurde an der damaligen alten Spitzenbergstraße das sogenannte Franzosenkreuz errichtet, welches schon wiederholt vom Besitzer des Ellergutes auf seine Kosten neu hergestellt wurde.
Auf einer ca. 6 mm starken Eisenplatte ist der Geschütztransport bildlich dargestellt. Diese Darstellung wurde in den Jahren um 1930 zuletzt vom damaligen Landesgerichtsrat Dr. Hermann unentgeltlich erneuert.
Leider wurde das Franzosenkreuz anstatt auf der alten Spitzenbergstraße unterhalb des ehemaligen Standortes auf der neuen Straße aufgestellt, wo es wegen des großen Kraftfahrzeugverkehrs kaum beachtet werden kann.
(Informationen von Manfred Fossleitner)