Nikolauskirche

Nikolauskirche
Die Nikolauskirche in Großreifling bildet gemeinsam mit dem Alten und dem Neuen Kasten (seit 1979 Forstmuseum Silvanum) das imposante historische Gebäudeensemble der obersteirischen Gemeinde Landl.
Erhöht auf einer Terasse in Großreifling erbaut erinnern die Gebäude an die große Bedeutung des kleinen Ortes an der Salza-Ennsmündung für die Geschichte der Forst- und Kohlholzwirtschaft der gesamten Region rund um den Steirischen Erzberg.
Die Filialkirche in Großreifling ist dem Hl. Nikolaus geweiht, das Patrozinium wird am 6. Dezember gefeiert.
Nikolaus war ein Bischof in Myra –Kleinasien und starb in der Mitte des 4. Jhdts.
Er wird als Bischof mit einem Buch, 3 goldenen Kugeln oder Äpfeln, Schiff und Anker dargestellt und zählt zu den 14 Nothelfern.
Der Hl. Nikolaus gilt als Patron und Helfer der Kaufleute, Kinder, Schüler, Jungfrauen, Gefangenen, Matrosen, Schiffsleute und Flößer.
Die Holzknechtfahne von 1706 im Forstmuseum zeigt den Hl. Nikolaus in einer Großreiflinger Ansicht mit einer Darstellung des Reiflinger Rechens, der um 1570 von Hans Gasteiger erbaut wurde. Auf der Rückseite befindet sich der Hl. Florian mit Wasserkübel und Kohlenmeilern als Wasser-Feuerheiliger, Schutzpatron der Köhler.
Baugeschichte
Als Filialkirche zur Pfarrkirche St. Bartholomäus in Landl wurde die Nikolauskirche in der ehemaligen Eisenwerksiedlung Reifling der Innerberger (Eisenerzer) Hauptgewerkschaft vom Gewerken Christian Schmid 1507 erbaut und 1508 laut Dekret geweiht.
Um 1722 kam der kleine schlanke barocke Zwiebelturm dazu.
Eine erste Renovierung wurde1935 durchgeführt, es folgten unter Pater Martin Silber
1975 eine Innenrenovierung und 1977 die Außenrenovierung.
Ein zugemauerter Verbindungsgang mit Türe zum Alten Kasten, damit die ansässigen Gewerken auch unbemerkt der Hl. Messe beiwohnen konnten, unterstreicht eindrucksvoll die Bedeutung der Kirche für die Stifterfamilien und Großreiflinger Gewerken.
Die kleine Kirche besitzt ein zweijochiges, nach Osten ausgerichtetes Kirchenschiff mit einem gleichbreiten Chor und 5 einfache, verschieden große Maßwerkfenster mit Butzenscheiben. Besonders schön ist das graue Schlingrippengewölbe mit einem 6-teiliger Stern im Schiff und 8-teiliger Stern im Chor, sowie einem spitzbogiger Fronbogen mit zwei gegeneinander grau-rotbraun-weiß vor dem Chorbereich.
Der kostbare gotische Flügelaltar von 1518 wurde 1899 an das Landesmuseum Joanneum Graz verkauft.
Der neugotische Hauptaltar zeigt den Heiligen Nikolaus, Christus den Auferstandenen, Engel und Darstellungen des letzten Abendmahls, darüber leuchtet das Ewige Licht
Eine weitere Nikolausdarstellung befindet sich in der linken hinteren Nische.
An der rechten und linken Seite des umgehbaren Altars hängen die Bilder Mariahilf und ein Bildnis des Hl. Josef.
Linker Seitenaltar von 1664
Gestiftet von der Gewerkenfamilie Kerzenmandl von Prantenberg und Sara Wedl, geborene Kerzenmandl mit ihren Wappen, den gekreuzten Kerzen (Kerzenmandl) und Widder (Wedl).
Das Altarblatt zeigt die Hl. Barbara mit Schwert, Kelch und Turm als Schutzpatronin der Bergleute, Maurer und Zimmerleute.
Im Umfeld des Erzberges werden die Barbarafeiern heute noch am 4. Dezember abgehalten und sie zählt zu den Nothelfern.
Der Hl. Clemens, dargestellt als Papst mit Anker und Hacke gilt als Schutzpatron der Holzknechte und wird regional bei Klementifeiern hoch verehrt.
Das Bild über der Hl. Barbara zeigt die Hl. Rosalia, dargestellt mit Rosen im Haar, Kreuz und Totenkopf. Sie wird mit Rochus und Sebastian als Pestheilige verehrt. Es könnte auch Maria Magdalena sein – unsicher.
Rechter Seitenaltar von 1665:
Gestiftet von der Gewerkenfamilie Kerzenmandl von Prantenberg und Sara Wedl, geborene Kerzenmandl
Das Altarblatt zeigt die Hl. Katharina mit ihrem Festtag am 25. November, dargestellt als Märtyrerin mit dem zerbrochenen Rad als Schutzpatronin der Gelehrten, Reisenden, Fuhrleute, Müller und Wagner; davor steht sehr jung anmutende Muttergottes mit klassizistischen Zügen. Unterhalb der Friedenstaube ist eine Petrusdarstellung mit den Attributen Hahn und Fels gut zu erkennen.
An den Kirchenbänken befinden sich Tragstangen mit Figuren der Muttergottes mit Jesukind, Heiligen Anna mit Maria, Hl. Katharina von Siena und dem Hl. Antonius von Padua.
Die Kirchenwände schmücken der Hl. Florian, ein Marienbildnis und zwei barock verzierte Bildnisse des Letzten Abendmahls und die Geburt Jesu.
Mit vielen kleinen Kostbarkeiten verzaubert die kleine Nikolauskirche ihre Besucher: verzierte Kirchenbänke, bauliche Kleinode, zwei Orgeln, Fahnen, Fronleichnam Muttergottes, historische Tore und Türschlösser, ein steiler Kirchturmaufgang, ehemalige Mesnerwohnung, Garten und noch viel mehr.
Jeden ersten Sonntag im Monat wird im Pfarrverband Landl-Gams-Palfau die Heilige Messe in der Nikolauskirche gefeiert. Die engagierte Ortsbevölkerung feiert eigenständig das Florianifest, Fronleichnam und Erntedankfest, verfügt über einen eigenen Kirchenchor, der die 500-Jahrfeier im Jahr 2008 mitgestaltete.
Aufgrund ihrer ruhigen, getragenen Stimmung ist die Nikolauskirche beliebte Hochzeits- und Taufkirche für kleinere Gesellschaften. Das Totengebet für Verstorbene aus dem Ort wird hier abgehalten und die Kirche stand bereits einige Male im Mittelpunkt bei Besichtigungen von Kulturhistorikern und des Denkmalschützern.
Zahlreiche Museumsbesucher äußern in der Vergangenheit oft den Wunsch nach einer Kirchenbesichtigung, dem ich in Zukunft gerne nachkommen werde!
(Quelle: Veronika Frank, Geschäftsführerin des Forstmuseums Silvanum)
Nikolauskirche
Um den
kleinen Kapellenfels
schart sich ein Dorf
und seine Menschen -
windet sich die Eisnstraße
zu Niklaus`Füßen
seines Zeichen
Patron der Flößer
und Reisenden
der Beschützer aller Kinder
Ein Kleinod
das dennoch stattlich
um sich blickt ...
Herzstück ist
und ... bleibt
(Quelle: Erhorchte Augenblicke von Friederike Amort)




